Was ist eigentlich Bungee Fitness, Budokon, CrossFit, EMS, Bodystreet, Infratraining, Kieser Training und Power Plate?

“Hey Sven, was hältst du eigentlich von CrossFit? Hast du auch bald nen Infratrainer im Studio? Kennst du schon Bungee Fitness?” 

Als Personal Trainer bekomme ich regelmäßig solche Fragen zu neuen und älteren Fitness-Trends gestellt. Viele werben damit, noch schnellere und bessere Ergebnisse zu erzielen als jede andere Trainingsform. Manche darunter sogar, ohne den eigenen Körper groß dafür anzustrengen. 

Ich möchte Ihnen ein paar dieser Trends vorstellen und aus professioneller Sicht beschreiben, welche Erwartungen richtig, und welche davon falsch sind. Welches dieser Fitness-Konzepte Sie gern ausprobieren möchten, dürfen Sie letztendlich selbst entscheiden. Viel Spaß beim Lesen! 

Bungee Fitness: Elastisches Schlingentraining mit Spaß-Faktor

Dieser Sporttrend stammt – wie so viele vor ihm – aus den USA und ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Das Prinzip ist ähnlich wie beim TRX-Schlingentraining, nur dass ein speziell elastisches 4D-Seil zum Einsatz kommt, wie es auch beim Bungee Jumping verwendet wird. 

Sie stecken mit Armen, Beinen oder dem Bauch in der Schlinge des Seils und führen verschiedene Übungen aus. Das Seil erzeugt beim Training einen Widerstand, sodass das Training intensiv und gleichzeitig gelenkschonend ist. Das Ganzkörpertraining beansprucht – je nach Übung – alle Muskelgruppen. Die Anwendungsgebiete mit dem Bungee-Seil sind breit. Es eignet sich für Krafttraining, Ausdauertraining bis hin zu Stretching und Pilates.

Bungee Fitness ist für jeden Mensch geeignet, vom Sporteinsteiger bis zum Profi. Auch bei Gelenk- oder Rückenbeschwerden kann das Training eine sinnvolle – weil schonende – Alternative sein. 

Mein Fazit: Bungee Fitness ist eine smarte neue Trainingsform, die die Hebelwirkung des klassischen Schlingentrainers mit den dynamischen Widerständen von Therabändern (nur stärker) kombiniert. Wer TRX-Training mag, hat garantiert auch Spaß an Bungee Training. Für mich als Trainer ist entscheidend, dass die Übungen dabei sauber und kontrolliert ausgeführt werden, um Verletzungen vorzubeugen. Deshalb rate ich, Bungee Fitness erstmal in einem Studio unter Anleitung auszuprobieren, bevor Sie sich ein Seil in den Sportkeller montieren. 

CrossFit

Willkommen zum härtesten Workout der Welt. Damit wirbt die weltweite Trendsportart CrossFit. CrossFit ist ein funktionelles Ganzkörpertraining, das in sogenannten CrossFit-Boxen abgehalten wird. In diesen zertifizierten Sportstätten sind verschiedene Stationen und Geräte aufgebaut, an denen das Training in kleinen Gruppen von acht bis zehn Personen stattfindet. Dieses Gruppengefühl, gemeinsam an die eigenen Grenzen zu gehen, macht für viele CrossFit-Fans die Faszination an diesem Fitnesstrend aus. 

Eine CrossFit-Einheit dauert in der Regel 60 Minuten und setzt sich aus verschiedenen Schwerpunkten zusammen wie Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit, Schnelligkeit, Geschicklichkeit, Balance, Koordination und Genauigkeit. Die täglich wechselnden “Workouts of the day” tragen lustige Namen wie “Filthy Fifty”, “Fat Amy” oder weibliche Vornamen wie “Barbara”, “Helen” oder “Jacky”. Bei den Übungen geht es entweder um ein maximales Gewicht, eine bestimmte Zeitvorgabe oder eine Anzahl an Wiederholungen – Abwechslung ist garantiert. 

Mein Fazit: Der Ansatz von CrossFit ist gut: Angeleitetes Training in kleinen Gruppen mit funktionalen Übungen und wechselndem Schwerpunkt. Leider hapert es oft an der Ausführung der Teilnehmenden und an der Qualifikation der Trainer. Die hohe Gruppendynamik und der Fokus auf Maximalgewicht oder Schnelligkeit verleiten dazu, über die eigenen Grenzen zu gehen. Übermotivation, mangelnde Selbsteinschätzung und unsaubere Ausführung der Übungen bergen ein hohes Verletzungsrisiko – nicht nur für ungeübte Sportler. 

EMS-Training bzw. Bodystreet 

EMS-Training ist zwar kein neuer Trend mehr, aber immer noch eine beliebte Trainingsmethode. EMS steht für Elektromyostimulation und ist – vereinfacht gesagt – ein Ganzkörpertraining unter Strom. Das Versprechen von EMS-Anbietern: Ein bis zweimal 20 Minuten EMS-Training in der Woche reichen aus, um fit, stark und schlank zu werden. Damit richtet sich EMS-Training besonders an Menschen, die wenig Zeit oder Lust haben, stundenlang im Fitness-Studio zu trainieren. Das bekannteste EMS-Training hierzulande ist die erfolgreiche Franchise-Kette Bodystreet.  

Bei EMS-Training führen Sie unter Anleitung eines Trainers verschiedene Übungen durch, die Sie auch aus dem funktionalen Training kennen, wie etwa Kniebeugen, Liegestütze, Ausfallschritte, Plank oder Bizeps Curls. Der Unterschied bei EMS-Training ist, dass Ihre Muskulatur zusätzlich zur normalen Anspannung gezielt mit elektrischen impulsen angesteuert und dadurch stimuliert wird. 

Das Ziel: Eine intensivere Muskelanspannung und damit ein noch effektiverer Muskelaufbau. Studien ergaben, dass EMS-Training fast so effektiv ist wie intensives Krafttraining. Wer abnehmen möchte, braucht jedoch trotzdem eine saubere Ernährung und zusätzliches Ausdauertraining, um sichtbare Erfolge zu erzielen.  

Mein Fazit: Das Konzept von EMS-Training stammt aus der früheren Reizstromtherapie und hat bei Sportverletzungen, zur Regeneration und zur Wettkampfvorbereitung bei Athleten nachweisbare Erfolge erzielt. Essentiell bei einer Muskelreiz-Verstärkung durch Strom ist die sachgemäße Anwendung durch einen erfahrenen Trainer. Führen Sie EMS-Training ausschließlich unter Anleitung durch und überschreiten Sie die Maximaldauer von 20 Minuten ein bis max. zweimal die Woche nicht. Ich persönlich bin nicht warm geworden mit EMS, denn das Gefühl, wenn die eigenen Muskeln durch elektrische Impulse fremdgesteuert werden, ist einfach nicht mein Ding. 

Power Plate Training

Das Prinzip von Power Plate Training ist dem von EMS-Training ganz ähnlich. Sie stehen, knien oder liegen auf der Vibrationsplatte und führen unter Anleitung eines erfahrenen Trainers verschiedene Fitnessübungen durch. Nur wird die Muskulatur statt mit elektrischen Impulsen durch die permanent sanften Vibrationsstöße der Power Plate angesteuert. Ihr Körper ist bis in die Tiefenmuskulatur angespannt, um die Vibrationen der Platte auszugleichen. Dabei kontrahieren Ihre Muskeln bis zu 2.400 Mal pro Minute, und Sie setzen damit einen hohen Trainingsreiz. 

Auch für Power Plate Training sind 20 Minuten Einheiten optimal. Regelmäßig durchgeführt, haben Studien eine deutliche Verbesserung von Kraft, Beweglichkeit, Knochendichte und Körperhaltung nachgewiesen. 

Mein Fazit: Eine zeitsparende Alternative zum Fitness-Studio und eine tolle Trainingsergänzung für alle, die gezielt ihre Tiefenmuskulatur ansprechen möchten. Auch beim Power Plate Training gilt: Trainieren Sie nur unter Anleitung eines erfahrenen Trainers und nicht allein zuhause, um Fehlbelastung, Überlastung und Verletzungen vorzubeugen. Lesen Sie hier, wie Sie den für richtigen Personal Trainer für sich finden können. 

Kieser Training

Kieser Training ist eine internationale Studio-Kette, die es 117 Mal in Deutschland gibt. Gegründet von Werner Kieser, steht Kieser seit 50 Jahren für gesundheitsorientiertes Krafttraining. 

Das Trainingskonzept zielt klar auf Muskelaufbau. Als Trainingsgebiete wirbt Kieser damit, Rückenschmerzen zu beseitigen, Muskelaufbau zu fördern, die Psyche zu stärken, den Beckenboden zu trainieren, den Stoffwechsel anzuregen, den Körper zu straffen und die sportliche Leistung zu steigern.

Bei Kieser trainieren Sie kurz, aber intensiv: zwei Mal die Woche für 30 Minuten. Auf diese Dauer sind die Trainingspläne ausgelegt. Der Unterschied zum Gerätetraining in anderen Studios: Bei Kieser trainieren Sie an jeder Maschine nur einen Satz. Dafür führen Sie die Übungen in Super-Slow-Motion durch, also jede Bewegungseinheit 10 Sekunden lang, und das über insgesamt 90 bis 120 Sekunden, bis zum Muskelversagen. Der Grund: Nur, wenn der Trainingsreiz intensiv genug ist, setzt Ihr Körper Anpassungsprozesse in Gang und Ihre Muskeln beginnen zu wachsen. 

Wer jetzt glaubt, bei Kieser überwiegend Bodybuilder zu finden, liegt falsch. Die hellen, minimalistischen Räume ohne Spiegel, Fernseher und Musik ziehen Trainierende aller Altersklassen und Vorkenntnisse an, die mit wenig Zeitaufwand effizient trainieren möchten.

Mein Fazit: Das Prinzip hinter Kieser Training macht aus sportwissenschaftlicher Sicht durchaus Sinn. Setzen Sie einen entsprechend großen Trainingsreiz, baut Ihr Körper Muskulatur auf. Mir persönlich werden die Muskelgruppen beim Kieser Training zu sehr isoliert trainiert. Die Trainingsbewegungen haben wenig zu tun mit den Bewegungen, die wir für unseren Alltag brauchen, z.B. zum richtigen Heben schwerer Dinge. 

Infratraining

Ein neues Fitness- und Wellness-Gerät ist auf dem Markt: Der Infratrainer. Dieses Gerät kombiniert Infrarotstrahlung mit Magnetfeldtherapie und soll wahre Wunder wirken: Fettverbrennung im Turbo-Modus, intensiv entgiften, Cellulite verringern, Haut straffen und verjüngen, Ausdauer trainieren. Die Liste ist lang. Was steckt dahinter?

Der Infratrainer sieht aus wie ein Liegefahrrad mit kombinierter Infrarotkammer. Die Funktionsweise soll wie folgt sein: Das Infrarotlicht dringt bis in die mittleren Bereiche der Unterhaut ein und kann damit die lokale Blutzirkulation und indirekt auch die Muskulatur steigern. Menschen, die im Infratrainer liegend Fahrrad fahren, kommen also ordentlich ins Schwitzen. Laut Anbieter verbrennen Sie in einer 50-minütigen Sitzung zwischen 600 und 900 kcal. Nach ein paar Einheiten mit dem Infratrainer verlieren Sie merklich an Körperumfang. 

Mein Fazit: Wenn etwas zu schön klingt um wahr zu sein, werde ich skeptisch. Über die versprochene Wirkung des Infratrainers – anhaltender Gewichtsverlust, Gewebestraffung und Rückbildung von Cellulite – gibt es aktuell noch keine Studien. Fakt ist: Fett verbrennen Sie durch die Infrarot-Wärme auf jeden Fall nicht, denn Fettzellen können Sie nicht einfach ausschwitzen. Die sichtbare Reduktion des Körperumfangs ist wahrscheinlich auf den hohen Flüssigkeitsverlust  durch das Schwitzen zurückzuführen und wird – befürchte ich – nicht lange anhalten. Für mich als Personal Trainer und begeisterter Sportler zählt dieses Gerät eher unter Wellness-Anwendung als Trainingsgerät. Im Zweifel hilft jedoch nur: ausprobieren und sich selbst ein Bild machen.  

MMT – Mixed Movement Training (Budokon)

Mixed Movement Training ist – wie der Name schon sagt – eine Mischung aus verschiedenen Bewegungsformen, die zu einem neuen, ganzheitlichen Trainingskonzept für Körper und Geist vereint werden. Als Urvater des Mixed Movement Trainings gilt der Amerikaner Cameron Shayne, der daraus die Trend-Marke Budokon gemacht hat. 

Budokon bezeichnet sich selbst als Mixed Movement Art und verbindet Martial Arts Formen wie Brazilian Jiu-Jitsu und verschiedene Kick- und Schlag-Techniken mit Yoga, Mobility und Calisthenics. Ziel von Budokon ist es, das eigene Bewusstsein in der Bewegung zu erforschen. 

Mein Fazit: In Deutschland ist Budokon bisher überwiegend in Yoga-Kreisen ein Begriff. Wann sich diese Bewegungsform in seiner ganzheitlichen Ausprägung auch in Deutschland durchsetzen wird – ich bin gespannt.

5 FITNESS STRATEGIEN

Mit denen Sie Sport zur geliebten Routine machen